Darum sind Pigmentdrucke besser als Ausbelichtungen

Man begegnet immer wieder dem Gerücht, dass Ausbelichtungen den Pigmentdrucken überlegen sind.
Was sind überhaupt Ausbelichtungen?
Bei diesem Verfahren wird das Bild auf lichtempfindlich beschichtetes Papier projeziert und im Anschluss im Entwickler- und Fixbad sichtbar und ‘haltbar’ gemacht.
Andere Namen für Ausbelichtungen sind Lightjet-Prints.
Was sind Pigmentdrucke?
Pigmentdrucke werden auch als Fine Art Print bezeichnet. Bei diesen Drucken wird das Bild auf einem Tintenstrahl-Drucker mit Pigmenttinten auf hochwertige, speziell dafür entwickelte Papiere gedruckt. In diesen Druckern werden neben den Grundfarben (Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz) mehrere andersfarbige Tinten verwendet (z.B. Grau, Grün, Orange, Hellmagenta), um feine Farbübergänge und einen großen Farbraum darstellen zu können.

Ausbelichtung vs. Pigmentdruck

Haltbarkeit:
Unter optimalen Bedingungen sollte eine Ausbelichtung auf Fuji Crystal Archive Paper bis zu 60 Jahre unverändert bleiben, das heißt dunkle Lagerung, gleichbleibende, niedrige Luftfeuchtigkeit, kein Ozon, die Chemie im Entwicklungs- und Fixierprozess wurde richtig regeneriert bzw. war frisch und wurde dann auch komplett ausgewaschen.
Der Einfachheit halber vergleiche ich mit einem Papier der Firma Epson, das auf einem Epson Surecolor Drucker mit den dazugehörigen Epson Pigmenttinten bedruckt wurde, und das eine relativ niedrige Haltbarkeit unter Lichteinfluss zeigt:
Das Epson Hot Press Natural Paper sollte unter normalen Bedingungen – also z.B. im Wohnzimmer aufgehängt – bis zu 62 Jahre unverändert bleiben, bei dunkler, optimaler Lagerung sind es über 400 Jahre.
Diese Daten gehen aus diversen Tests des Wilhelm Research Institutes hervor, folgende Angaben stehen in der Datenbank bei Aardenburg imaging archives:
Das Fuji Crystal Archive Paper bleibt 37 Megalux-Stunden (also eine gewisse Anzahl an Lux über einen gewissen Zeitraum) unverändert, das Epson Hot Press Natural kommt mit den Vorgänger-Tintengeneration auf über 100 Megalux-Stunden.
Fazit: Bei der Haltbarkeit liegen sowohl die Papiere und die Pigmenttinten deutlich vor den Farbstoffen und Papieren der Ausbelichtungen; 1:0 für die Pigmentdrucke.

darstellbare Farben:
Um die darstellbaren Farben zu vergleichen, hab ich mir bei Fuji das Profil von dem Crystal Archive Paper Supreme HD für eine Fuji Frontier (eine Ausbelichtungsmaschine) heruntergeladen. Um fair zu bleiben, muss ich dieses mit einem Glanzpapier für den Tintenstrahldruck vergleichen, ich nehme das Ilford Gold Fibre Silk Papier (ok, ist kein Hochglanz-Papier, aber der Farbraum ist sehr sehr ähnlich mit einem Hahnemühle Hochglanz Barytpapier).
Um folgende Grafiken zu erhalten, kann man icc-Profile auf iccview.de hochladen und sich den Farbraum in der Lab-Darstellung ansehen, drehen und wenden.
Zuerst der Vergleich des Fuji-Papieres mit dem sRGB-Farbraum
der SRGB-Farbraum ist der durchsichtige Gitter-Körper, die darstellbaren Farben auf Papier sind der solide, bunte Körper.

Dann der Vergleich des Ilford-Papieres mit dem sRGB-Farbraum
hier ist der sRGB-Farbraum wieder der durchsichtige Gitter-Körper, die darstellbaren Farben auf Papier sind der solide, bunte Körper.

Und zu guter Letzt der Vergleich zwischen den Papieren, das Fuji-Papier ist der bunte, solide Körper, das Ilford-Papier ist der durchsichtige Gitter-Körper – ganz einfach, um den Farbraum des Fuji-Papieres sichtbar zu erhalten.


Fazit:
Das Fuji-Papier hat einen ganz leichten Vorteil in den gesättigten Pink-Tönen, alle anderen Farben sind am Ilford-Papier deutlich lebhafter.
Nachdem das menschliche Auge sehr schlecht darin ist, absolute Farben und recht gut darin, Farben relativ zueinander und Farbstiche zu erkennen, heißt das, dass Bilder mit eher gesättigten Farben als Pigmentdruck deutlich lebhafter wirken.
Im Vergleich dazu wirkt eine Ausbelichtung trotz Hochglanzpapier matt, Schwarztöne unter Umständen schon dunkelgrau im Vergleich zu einem guten Fine Art Print. 2:0 für den Pigmentdruck

Auflösung:
Fuji gibt als Auflösung für den Frontier 300dpi und eine Rasterdichte von 600dpi an (wobei jeder Punkt jede beliebige Farbe im Farbraum annehmen kann), moderne Pigment-Tintenstrahldrucker drucken mit bis zu 1200×2400 bis 1440x2880dpi, abhängig von der Papierbeschichtung.
Bitte die dpi (Punkte pro Zoll), die das Gerät hardwaremäßig erzeugen kann nicht mit den ppi (Pixel pro Zoll) des Fotos verwechseln. Die dpi werden als physischer Punkt erzeugt, hingegen hat eine Datei keinen Punkt, sondern nur Pixel.
Im Normalfall kann ein menschliches Auge einzelne Punkte bei so hohen Punktdichten nicht unterscheiden sondern nimmt eine Fläche wahr. Bei Fuji überlappen die einzelnen Punkte jeweils den halben Nachbarpunkt, bei harten Farbkontrasten könnte etwas Unschärfe sichtbar sein bzw. bei Schwarz-Weiß-Kontrasten hatte ich selbst schon chromatische Aberation, die definitiv vom Ausbelichtungssystem stammt. Bei den Tintenpunkten ist die Chance noch kleiner, dass das Auge die einzelnen Punkte ohne technische Hilfsmittel wie Lupe oder Mikroskop wahrnimmt, auch der Schärfeeindruck passt. Pluspunkt für eine Ausbelichtung: sie ist deutlich schneller fertig als ein Pigmentdruck.
Fazit: ein Pigmentdrucker kann feinere Details besser wiedergeben, braucht allerings länger. Wenn es um Qualität geht, ist die Geschwindigkeit kein Vorteil mehr…

Es spricht eindeutig alles für den Pigmentdruck, wenn man Wert auf Qualität, Haltbarkeit und eine große Papierauswahl legt.

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